Wer ist hier "Alpha"?

1. Das Auf-den-Rücken-Werfen oder der sog. Alpha-Wurf:

Bei Fehlverhalten eines Hundes, z.B. ein Rüde greift einen anderen Rüden durch Bellen und/oder Drohverhalten an, wird sehr häufig empfohlen, den angreifenden Hund auf den Rücken zu werfen, da dies "alpha" angeblich bei Fehlverhalten ebenfalls so macht.

Es handelt sich hierbei nicht um ein artgerechtes Bestrafen, sondern entspringt einem mangelnden Verständnis der Ethologie bzw. ethologischer Verhaltensweisen.

Dieses auf den Rücken-Werfen ist eine Kampftechnik aus dem Bereich der freien Aggression (Ernstkampf). Einen Ernstkampf gibt es innerhalb eines Rudels nur, wenn es an das "Eingemachte" geht. Im Rahmen der freien Aggression gibt es für die betroffenen Caniden nur wenige Möglichkeiten zu reagieren - Flucht oder aber in diesem Fall Selbstverteidigung.

Der Gegner oder der sich gegen Alpha bzw. seine "Anordnungen" auflehnende Hund wird nur dann aktiv auf den Rücken geworfen, um einen stark verletzenden bis tödlichen Biß in Bauch- bzw. Kehlgegend setzen zu können.

  • Es herrscht für den Umgeworfenen aus seiner Sicht höchste Lebensgefahr und er kämpft demzufolge ggf. um sein Leben.
  • Die Fluchtmöglichkeit wird ihm durch das meist noch erfolgende Festhalten verwehrt, der von seinem Führer auf den Rücken geworfenen Hund beißt z.B. in Folge aus völliger Verzweiflung um sich usw.
  • Oft heißt es dann, "..noch mehr drauf, der akzeptiert Dich nicht...." .Das Problem ist in der Tat, dass es höchst gefährlich werden kann, den umgeworfenen Hund in dieser Situation loszulassen, da er sich unter Umständen seinen Fluchtweg freibeißen wird.
  • Dadurch, dass der Hund im höchsten Stress ist, ist auch seine Lernfähigkeit entsprechend eingeschränkt.
  • Je nach Durchführung und Situation kann diese Maßregelung des Hundeführers sogar tierschutzrelevant sein.
  • Wenn man sich nun vorstellt, dass dies auch eine vielfach, für aus der Sicht des Hundes kleinstes Fehlverhalten (wie z.B. Hochspringen, übermotiviertes "Schnappeln" des Hundeführers, Drohfixieren des "Gegners" (= gehemmt aggressives Verhalten), zu festes Zubeißen der Welpen, die die Beißhemmung noch lernen müssen), empfohlene Maßnahme ist, wird klar, dass das Verhalten des "Rudelchefs" in diesem Moment völlig unangemessen und damit nicht artgerecht ist.
  • Der Hundeführer wird damit zum unkalkulierbaren Risiko für den Hund:
  • Auf einen solch unsouveränen "Alpha" kann man sich als Hund aufgrund des unqualifizierten Einsatzes der Maßnahme nicht verlassen, bei Welpen wird das Vertrauen massiv gestört.
  • Gerade Vertrauen ist aber die Grundlage jeder erfolgreichen und harmonischen Mensch-Hund-Beziehung.
  • Eine solche Maßnahme wäre als ultima ratio (letztes Mittel!) nur dann angesagt und erforderlich, wenn wir als Hundeführer ins freie aggressive Verhalten mit dem Ziel der ernsthaften Beschädigung des "Gegners" bzw. dem Risiko, selbst massiv verletzt zu werden, gehen müssen, um uns als Rudelführer zu schützen.
  • Dies wäre aber eine absolute Ausnahmesituation, die sich bereits im Vorfeld durch vielfältige Anzeichen des auch partiellen Kippens einer Rangordnung ankündigen würde. Es wäre dann die Pflicht des Hundeführers/-halters, sich bereits im Vorfeld ggf. professionellen Rat einzuholen und mit art- und tierschutzgerechten Methodiken dagegen zu steuern.
  • Nun könnte man einwenden, es gebe aber doch dieses auch häufig gesehene "Unterwerfen" des rangniedrigeren Hundes und deswegen sei es doch legitim, wenn ich als "Alpha" den Hund auch zwangsweise, notfalls mit körperlicher Gewalt in diese Position bringe.
  • Der Unterschied besteht im Detail: der Hund wirft sich selbst häufig vor einem körperlichen Kontakt mit dem Ranghöheren auf den Rücken, um innerhalb des Rudels eine Beißhemmung bei dem Ranghöheren auszulösen oder aber wird mit der Brust durch den Ranghöheren in die Seitenlage umgestoßen.
  • Es genügen in diesen Fällen also überwiegend Blickkontakt, Präsentation der Ranghöhe durch Körpersprache, Drohgesten, Rempeleien etc. - der rangniedrigere Canide würde sich dann selbst in diese Position begeben, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

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